Dienstag, 20. Februar 2018

[Kurzrezension] Stille der Nacht von Patricia Briggs

Titel: Stille der Nacht
Reihe: Mercy Thompson
Band: 10
Autor: Patricia Briggs
Genre: Urban Fantasy
Erscheinungsdatum: 09.01.2018
Seiten: 480
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-453-31903-5
Originalpreis: 9,99€

Kurzbeschreibung: 
Mercy Thompson hat ihren Platz und ihre Stimme im Wolfsrudel der Tri-Cities gefunden. Doch eines nachts wird die Gestaltwandlerin von Vampiren entführt: Sie soll als Waffe gegen ihr Rudel und ihren Gefährten Adam eingesetzt werden. Mercy gelingt die Flucht. Und plötzlich findet sie sich allein, ohne Geld und ohne Kleidung mitten in Prag wieder. Sie muss neue Verbündete finden und alte Feinde abwehren, und vor allem muss Mercy Adam warnen. Denn im Herzen der uralten Stadt regt sich ein dunkler Geist. Mit dem Ziel, Krieg zwischen allen magischen Völkern zu stiften ... 

Meinung:
Man könnte meinen, dass Briggs beim zehnten Band der Reihe langsam der Stoff ausgeht, aber das ist weit von der Wahrheit entfernt. Diese Buchreihe kann man sehr gut mit Serien vergleichen, die den Zuschauer so sehr an die Charaktere binden, dass sie allein deswegen weitergucken. Mercy zeigt sich auch diesmal wieder von ihrer toughen Seite und man merkt deutlich, wie sie sich seit dem ersten Band bis zu diesem verändert hat. Wie immer nimmt sie ihr Schicksal in die eigenen Hände und wartet nicht einfach nur, bis Adam sie aus ihrer Misere rettet. Dennoch nimmt auch Adam wieder eine große Rolle im Buch ein und übernimmt damit den politischen Anteil der Geschichte, bei dem es vor allem um Verhandlungen geht. Die Vampir-Politik ist dabei leider etwas trocken, aber trotzdem charmant und spannend, zumal Adam durch Mercys Entführung nicht ganz so gelassen wie sonst agiert. Auf jeden Fall bietet die Geschichte wieder Möglichkeiten, mit seinen Lieblingscharakteren mit zu fiebern, auch wenn diesmal nicht viele von ihnen dabei sind, was aber umso mehr Platz für die anderen lässt.

Die Prämisse für den zehnten Band ist wieder spannend und sorgt für viel Zündfeuer. Mercy verschlägt es nach Europa und damit bekommt der Leser (endlich) mehr von der Welt zu sehen. Immerhin wurde schon von Anfang an von Marsilias ursprünglichem Meister gesprochen, der sein Dasein in Italien fristet. Und genau der kommt diesmal ins Spiel. Und es zeigt sich wieder, wie gut Briggs ihre Welt aufgebaut hat, denn sowohl die Schauplätze Mailand in Italien als auch Prag in Tschechien haben ihre eigene Historik, wenn es um übernatürliche Wesen geht und in die sind auch die amerikanischen Werwölfe und Vampire verwickelt. Gerade auf Prag hat sich die Autorin fokussiert und schafft dabei einen sehr coolen Aufhänger für die Handlung, der alten Sagen entspringt. Gleichzeitig lässt sie sich allerdings ein bisschen zu sehr dazu hinreißen, ausschweifend die Architektur der Stadt zu erwähnen. Da hat sie sich durch ihr eigenes Interesse ein wenig zu sehr verleiten lassen und obwohl es nicht schadet, das neue Setting ein wenig zu beschreiben, fällt es hier extrem auf, besonders wenn man Adams und Mercys Szenen miteinander vergleicht.

Nichtsdestotrotz ist der Plot wieder stark und auch wenn es diesmal weniger Action gibt, ist sie da. Etwas irritierend ist zunächst, dass die Kapitelanfänge mit Mercys Kommentaren versehen sind, inwiefern sich das jeweilige Kapitel in die chronologische Reihenfolge einordnen lässt, da diese sich diesmal deutlich überlagern. Trotzdem ist es kein negativer Aspekt. Auch gibt es neue Charaktere, die ins Herz geschlossen werden können. Und dann gibt es da noch einen Handlungsstrang, der zwar völlig legitim ist, aber für mich irrelevant wirkte bis er offenbart wurde – ganz am Ende – und nicht wirklich gut erläutert, auch wenn es durchaus eine gute Idee war. Insgesamt hatte ich aber wieder viel Spaß mit Mercy und Adam und Briggs zeigt mal wieder ein großes Talent dafür, Charaktere, Handlung und Welt so zu fusionieren, dass man nicht genug von der Reihe bekommt.

Fazit: 
„Stille der Nacht“ fokussiert sich diesmal wieder auf Politik, geht aber auch sehr auf Mercys und Adams Porträt als zwei getrennte Persönlichkeiten ein, was dem Roman durchaus einen gewissen Reiz verleiht und Mercys starken Charakter in den Vordergrund rückt. Und wer noch nicht überzeugt ist: Diesmal gibt es Schokoladen-Cookies.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt: 

Montag, 19. Februar 2018

[Rezension] Die Stunde des Assassinen von R.J. Barker

Titel: Der Stunde des Assassinen
Reihe: The Wounded Kingdom
Band: 1
Autor: R.J. Barker
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 09.01.2018
Seiten: 464
Verlag: Heyne
Format: Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3-453-31882-3
Originalpreis: 14,99€

Kurzbeschreibung: 
Girton Klumpfuß ist kurz davor, einer der besten Auftragsmörder des Landes zu werden, schließlich geht er bei Meister Karn in die Lehre, einer lebenden Legende im Geschäft mit dem Tod. Eines Nachts werden Girton und sein Meister jedoch an den Königshof gerufen: Innerhalb der dicken Steinmauern von Burg Maniyadoc wispert man hinter vorgehaltener Hand von einem geplanten Attentat auf den Kronprinzen. Getreu dem Motto "Um einen Mörder zu fangen, musst du einen Mörder schicken" heuert die Königin die beiden Assassinen an, um das Attentat zu verhindern. Weder Girton noch Meister Karn ahnen, dass der Anschlag auf den Prinzen erst der Beginn einer Reihe von Verschwörungen und Intrigen ist, die das gesamte Königreich in einen grauenhaften Krieg stürzen könnten, der auch vor loyalen Assassinen nicht haltmacht ... 

Meinung: 
Anti-Helden und im Speziellen Assassinen scheinen derzeit im Fantasygenre sehr beliebt zu sein. Auch dieses Buch schließt sich dem Hype mit den reißerischen Worten „Um einen Mörder zu fangen, musst du einen Mörder schicken“ an und lassen auf eine spannende Jagd hoffen lassen. Bei den Lesern der englischsprachigen Bücher hat der Roman bereits Wellen geschlagen und die Meinungen sind so divers, wie man bei einem solchen Werk erwarten kann. Die einen bezeichnen es als Zeitverschwendung, die anderen als erfrischend anders. Die Ansätze für letzteres sind definitiv da. Tja, habe ich mit dem Roman nun meine Zeit vergeudet oder war es wirklich mal etwas Neues?

Leider beginnt die Geschichte etwas irritierend und scheint sich durch einen humorvollen Unterton selbst ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Das ist umso auffälliger, da der Grundton des Romans eher düster ist. Es wird eine öde, fast hoffnungslose Atmosphäre vermittelt, was gut mit dem Setting harmoniert, denn die Landschaft gleicht einer Einöde und Magie gilt als böse. Und damit wären wir dann auch schon beim historischen Anteil, denn dieser wurde recht gut ausgebaut und die Welt hat eine konsistente Historik vorzuweisen. Aber das hier ist eine Geschichte über Assassinen, warum sich also lange mit dem Erklären der Landschaft und Historik aufhalten? Ganz einfach: So interessant die Handlung im Verlauf auch wird, sie erschüttert erst einmal die Erwartungen des Lesers. Wer mit einer Art Verfolgungsjagd rechnet, bei dem die Assassinen sich gegenseitig um die Ecke bringen wollen, ist auf dem Holzweg. Genau genommen vermittelt die Kurzbeschreibung auch einen falschen Eindruck, denn es ist nicht der Assassine, der gesucht wird, sondern sein Auftraggeber. Und das lässt den ganzen Roman in einem anderen Licht erscheinen. Tatsächlich gestaltet sich die Suche nach dem Auftraggeber recht vorhersehbar: Girton und sein Meister ermitteln. Ist es also eine Art Fantasy-Krimi? Nein. Denn die Ermittlungen entwickeln sich in die entgegengesetzte Richtung von dem, was man erwarten würde. Anstatt die Verdächtigen einzugrenzen, werden es immer mehr. Und das ist wirklich verwirrend als Leser. Hinzu kommen kleine Ereignisse, die auf Dauer keine Rolle zu spielen scheinen und ungeklärt bleiben. Dennoch wird es nach einem langen zähen Teil des Romans spannend und sogar richtig ausgefuchst. Die Intrige, die hinter allem steht, ist gut gelegt und komplex und zeigt, dass Girton nur einen Bruchteil der gesamten Handlung überschaut hat und sich alles ganz anders gestaltet. Auch wird es endlich etwas actionlastiger. Etwas schade ist allerdings, wie offensichtlich Barker Hinweise gestreut hat. Vielleicht reimt man sich dadurch als Leser nicht zwingend die Hintergründe zusammen, aber kann bereits wichtige Komponenten erkennen.

Ein großes Problem im Buch ist Girton. Zu Anfang ist er nur leidlich sympathisch und es dauert, bis man sich langsam an seine Art gewöhnt hat. Nicht gewöhnen kann man sich allerdings daran, wie furchtbar naiv der Junge ist. Er ist natürlich noch ein bloßer Jugendlicher, aber er geht bei einem Assassinen in die Lehre und da sollte man eigentlich erwarten, dass er nicht auf alles hereinfällt. Im Gegenteil müsste er eigentlich ein skeptischer Mensch sein, aber davon war nichts zu sehen. Bis auf seine Assassinenfähigkeiten ist er nur ein normaler Junge. Daran ist auch eigentlich nichts verkehrt, denn seine Selbstzweifel lassen ihn realistischer wirken. Auch seine kleine Liebesgeschichte wäre kein Problem, wenn sie nicht so in den Vordergrund gestellt würde. Ja, er ist ein pubertierender Junge und eine gewisse Relevanz für die Geschichte ist da, aber es überwiegt fast den Assassinenanteil des Plots. Girtons Meister, Marela Karn, ist auch ein schwieriger Charakter. Man erfährt zwar im Lauf der Geschichte mehr über sie und auch über ihr Verhältnis zu Girton, aber obwohl sie ihn schon so lange kennt, wirken sie zusammen nicht konsistent. Mal vertraut, mal wie zwei Fremde. Insgesamt waren die meisten Charaktere schon interessant, aber manchmal hatte man das Gefühl einem Theaterstück beizuwohnen, bei dem die Schauspieler nicht immer die beste Performance ablegten.

Der Schreibstil passt eigentlich sehr gut zum Buch. Kühl, nüchtern, ja fast leidenschaftslos erzählt Girton als Ich-Erzähler seine Geschichte. Wie gesagt, es passt und erzeugt damit eine ganz besondere Stimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Gleichzeitig muss man sich damit aber auch anfreunden können, denn ansonsten ist gerade der zähe erste Teil des Romans eine große Hürde. Barker bedient sich auch einer eigenen Sprache, die im Roman Gang und Gebe ist. So genannte „Gesegnete“ sind also keine Priester oder Magier, sondern augenscheinlich einfach nur Adelige.

Die Schwäche des Romans liegt ganz klar im ersten Teil. Gepaart mit den Erwartungen des Lesers kann sich dies zu einer echten Lesehürde entwickeln. Das Ende gleicht den Anfang dafür fast wieder aus. Endlich passiert etwas, auch wenn wiederum so viel passiert, dass nicht alles ganz schlüssig wirkt. Wenn man sich für Girton erwärmen kann und den Rahmen der Handlung interessant findet, ist die Geschichte durchaus unterhaltsam. Dennoch ist es keine typische Assassinengeschichte. Ich selbst habe mich am Anfang eher durch das Buch gequält und war ernüchtert dadurch, dass die Ermittlungen so unergiebig waren und das Ende eher losgelöst davon wirkte.

Fazit: 
„Die Stunde des Assassinen“ ist ein guter Roman, der allerdings unter dem leidet, was er sein soll. Wenn man nicht so auf das Assassinenthema pocht, ist es eine Geschichte mit einem sensiblen, kampftüchtigen Protagonisten, der langsam tiefer in die Intrigen der Adeligen eintaucht.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt: 

Donnerstag, 15. Februar 2018

[Rezension] Layers von Ursula Poznanski

Titel: Layers
Autor: Ursula Poznanski
Sprecher: Jens Wawrczeck
Genre: Thriller, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 17.08.2015
Hörzeit: 12 Stunden, 45 Minuten
Verlag: der Hörverlag
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8445-1935-8
Originalpreis: 14,99€

Kurzbeschreibung: 
Dorian lebt auf der Straße und steckt so richtig in der Klemme: Er fühlt sich von der Polizei verfolgt. Unverhofft hilft ihm ein Fremder und versteckt ihn in einer Villa, wo Dorian Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben. Als Gegenleistung soll er geheimnisvolle, versiegelte Werbegeschenke verteilen. Als Dorian eines der Geschenke für sich behält, gerät sein Leben in Gefahr. 

Meinung: 
Wenn man sich das Cover genau ansieht, passt es– wie üblich – inhaltlich perfekt zu Poznanskis Roman, auch wenn die Thematik auf den ersten Blick nicht gleich zu erahnen ist. Da das Hörbuch quadratisch ist, sieht man hier leider wenig von den wichtigen Randelementen. Da ich die Bücher der Autorin sehr schätze, habe ich dieses Hörbuch angefangen, ohne vorher den Klappentext zu lesen. Ich persönlich finde das Buch im Nachhinein spannender ohne Klappentext, weil der doch sehr weit in die Geschehnisse hineinreicht.

Wie üblich schwingen auch in diesem Roman viele gesellschaftskritische Elemente mit. Als obdachloser Jugendlicher bringt der Protagonist bereits die besten Voraussetzungen für Konfliktpotenzial mit. Dennoch würzt Poznanski das Ganze noch einmal mit einer Prise Spannung und spinnt ein unglaubliches Netz um Dorian. Macht und wie man sie nutzen kann, ist dabei nur ein Aspekt, der im Roman aufgegriffen wird. Durch die Layers kommt außerdem noch eine moderne Technikkomponente dazu. Generell spinnt die Handlung ein interessantes Psychospiel um Dorian. Obwohl die Plotstränge sehr verwickelt sind und die Ereignisse überwiegend nicht vorhersehbar, erreicht das Buch trotzdem nicht Poznanskis übliches Niveau. Es wirkt einfach viel konstruierter als sonst und dadurch kann einen die Handlung nicht so mitreißen. Aber teilweise war das Buch zwischendrin auch sehr langatmig. Wer Poznansikis Romane bereits kennt, wird auch mit der obligatorischen Liebesgeschichte rechnen, die hier leider wirklich furchtbar inszeniert wird. Sie wirkt völlig aufgesetzt und ist auch irgendwie unnötig.

Ich konnte mit Dorian leider überhaupt nichts anfangen und dementsprechend schwer ging es mir auch mit dem Roman. Er hat zwar eine ausgefeilte Hintergrundgeschichte, durch die man ihn gut versteht, aber er ist extrem naiv, was für den Plot auch notwendig ist, ihn aber nicht gerade sympathisch und vor allem nicht sehr nachvollziehbar macht. Von den meisten anderen Charakteren bekommt man auch eher wenig mit und baut dadurch nur schwer Bindungen auf. Allerdings macht auch das im Rahmen der Geschichte Sinn. Wirklich anstrengend war aber nicht nur Dorians Naivität, sondern auch die der anderen Jugendlichen. Man kann ja letztendlich sagen, was man will, aber wer auf der Straße leben muss, sollte doch ein wenig Skepsis besitzen und nicht jedem blind vertrauen, der einem ein wenig Nettigkeit entgegenbringt. Sie sind zwar nur Jugendliche, aber das heißt auch nicht, dass sie die Intelligenz eines Brotkrumen haben sollten, auch wenn das jetzt vielleicht etwas harsch ausgedrückt ist.

An Pozanskis Schreibstil oder Wawrczecks Inszenierung gibt es wiederum nichts auszusetzen. Wawrczeck hat ja bereits andere Hörbücher der Autorin gesprochen und schafft es auch diesmal, dem Protagonist und dessen Umfeld Leben einzuhauchen und greifbar zu machen. Poznanski wiederum bleibt auch in diesem Roman bei ihrer handlungsfokussierten Schreibweise. Ein Ereignis reiht sich an das nächste und sie schafft es durchaus, das Kopfkino beim Leser anzuknipsen. Etwas schade ist wiederum, dass die Handlung sehr erzwungen wirkt wie ein Bauplan, den man Schritt für Schritt durchführen muss, wenn man das ganze Kartenspiel nicht ineinander zerfallen lassen will.

Obwohl es einige Kritikpunkte an dem Roman gibt, ist er dennoch nicht durch und durch schlecht, nur einfach nicht so gut wie man es von Poznanski gewohnt ist. Die Handlung ist durchdacht und letztendlich spannend. Das Thema mag vielleicht nicht so brisant diskutiert sein wie in ihren anderen früheren Werken, ist aber dennoch interessant. Dorian ist ein etwas anderer Protagonist, der mit seiner Naivität leider nicht glänzen kann, aber dafür gibt es viele Wendungen, die den Leser nie ganz durch den Wirrwarr an Lügen und Intrigen blicken lassen.

Fazit:
„Layers“ hat ganz klar identifizierbare Elemente, die in keinem Roman der Autorin fehlen dürfen. Leider scheint die Geschichte dennoch nicht ganz konsistent zu sein und ihr Protagonist kann nicht ganz überzeugen.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 3/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 3/5

Gesamt:

Sonntag, 4. Februar 2018

[Rezension] Outlander - Feuer und Stein von Diana Gabaldon

Titel: Feuer und Stein
Reihe: Outlander / Highland-Saga
Band: 1
Autor: Diana Gabaldon
Sprecher: Birgitta Assheuer
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 04.05.2015 / 15. Mai 2015
Seiten: 1136 / 37 Stunden, 2 Minuten
Verlag: Knaur TB / Argon
Format: Klappenbroschur / Hörbuch
ISBN-13: 978-3-426-51802-1 / 978-3-8398-1428-4
Originalpreis: 16,99€ / 29,95€

Kurzbeschreibung: 
Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall ist in den zweiten Flitterwochen, als sie neugierig einen alten Steinkreis betritt und darin auf einmal ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein »Outlander«. 

Meinung:
Im Bereich der historischen Romane ist Diana Gabaldon vermutlich eine der prominentesten Autorinnen, spätestens seit der Serienadaption ihrer Highland- Saga. Im Deutschen liegen mittlerweile zwei verschiedene Übersetzungen vor: die alte, gekürzte und die neue, ungekürzte. Letztere umfasst 300 Seiten mehr. Ich habe den ersten Band der Reihe abwechselnd in gedruckter Form und als Hörbuch rezipiert und beides hatte dabei seine Vor- und Nachteile.

Das Buch startet recht gemächlich und führt einen erst einmal in Claires gewöhnliches Umfeld ein. Sie ist in den Flitterwochen mit ihrem Mann Frank und der Leser begleitet sie bei ihrer Erkundung der Umgebung von Inverness in Schottland, während Frank sich mit der Ahnenforschung seiner Familie beschäftigt. Manch einer könnte das vielleicht langweilig finden, aber mir gefiel das langsame Eintauchen recht gut. Dadurch gewöhnte man sich besser an die Protagonistin Claire. Leider baut sich die Handlung recht offensichtlich auf. Überraschende Wendungen darf man hier eher nicht erwarten. Zwar machen die Charaktere – und dabei vor allem Claire und der Highlander Jamie – viel durch, aber irgendwie ist es dann doch immer recht vorhersehbar. Allerdings sind spannende Plottwists auch nicht die Stärke des Romans. Das sind nämlich einerseits die Charaktere und die wirklich gelungene Atmosphäre, die Gabaldon aufbaut. Ihr gelingt es, das 18. Jahrhundert authentisch zu zeichnen und dem Leser das Gefühl zu geben, er wäre selbst dabei. Gerade auf emotionaler Ebene muss Claire viele Hürden überwinden. Die viel zu offensichtlich eingesetzte Liebesgeschichte des Romans konnte mich leider nur mäßig überzeugen. Zwischen Claire und Jamie gibt es durchaus Chemie, aber das rechtfertigt noch lange nicht die unzähligen Sexszenen, die quasi in jedem Kapitel zu finden sind. Davon einmal abgesehen wurde es zwischendrin auch manchmal etwas langatmig und erst nach über 500 Seiten kommt ein wenig ehrliche Spannung im Roman auf, die aber gegen Ende hin wieder abflacht. Gerade die Handlung am Ende war mir in manchen Punkten auch einfach zu absurd.

Die Charaktere sind allesamt recht vielschichtig ausgearbeitet und zeichnen sich nicht durch einen ganz bestimmten Stereotyp aus. Dementsprechend sind auch Claire und Jamie keine Heiligen, obwohl sie im Zentrum des Geschehens stehen. Jeder Charakter handelt in bestimmten Situationen anders und zeigt damit, dass er nicht nur aus einer einzigen Charaktereigenschaft besteht, sondern aus mehreren und zusätzlich einen detaillierten Hintergrund hat. Claire ist eine glaubwürdige Figur und macht den Roman gerade durch ihre kratzbürstige, sture und stolze Art amüsant. Sie ist eindeutig eine starke Protagonistin. Immer sympathisch ist sie einem trotzdem nicht unbedingt, aber das zeigt eben umso besser, dass sie ein ausdifferenzierter Charakter ist. Etwas unglaubwürdig war allerdings, dass Claire sich insgesamt recht gut in das 18. Jahrhundert einfügt, vor allem auch was ihre Sprache betrifft und dass sie viele Pflanzen und ihre Einsatzmöglichkeiten mühelos erkennt. Selbst als Krankenschwester mit einem Interesse für Pflanzenkunde wirkt es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie sich so gut auskennt, immerhin ist sie in ihrer eigenen Zeit nicht auf Pflanzen als Heilmittel angewiesen. Zuletzt gefiel mir auch das Porträt von Hauptmann Randall nur mäßig, da er wie die Glorifizierung des Bösen wirkte. Während alle anderen Charaktere ihre guten und schlechten Seiten haben, bekam er pro Aufeinandertreffen mit Claire nur immer mehr negative Züge.

Gabaldon erzählt die Geschichte um Claire und ihre Zeitreise mit detaillierten Schilderungen der Geschehnisse – und darauf muss man sich einlassen können. Obwohl das Buch über 1.000 Seiten umfasst, lässt es sich mit Sicherheit auch viel kürzer erzählen, ohne große Handlungslücken. Dadurch würde das Buch aber gleichzeitig auch sein besonderes Flair verlieren. Dennoch war Assheuer als Sprecherin des Hörbuchs eine große Bereicherung. Sie erzählt die Geschichte sehr sympathisch, betont immer passend und schaffte es auch, mir einen Eindruck von den schottischen Wörtern zu geben, die ich ohne sie zweifelsohne völlig falsch ausgesprochen hätte. Ein Manko gibt es aber trotzdem: Ihre Stimme will nicht ganz zu Claire passen, die im Buch zwischen 25 und 30 Jahre alt ist. Assheuer lässt Claire fast zehn Jahre älter wirken, was mich anfangs sehr verwirrt hat.

Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten, was den Roman betrifft. Er war durchaus nicht schlecht und man gewinnt die Charaktere auf Dauer lieb, aber es gibt doch einige Schwächen im Buch, über die ich nur schwer hinwegsehen kann. Ob sich dabei der zweite Band als spannender erweist, wird sich zeigen. Als historischer Roman funktioniert die Geschichte aber sehr gut und wenn man nicht zu viel erwartet, wird man auch nicht unbedingt enttäuscht. Man sollte aber auch eine hohe Toleranz für die freizügigeren Szenen mitbringen. Mir persönlich war es zwischendurch einfach zu langatmig und wurde erst spät richtig mitreißend – wobei sich das auch schnell wieder verlor.

Fazit:
„Feuer und Stein“ ist ein guter historischer Roman, der perfekt ins Genre passt. Man bekommt hier einen tiefen Einblick in das 18. Jahrhundert in Schottland und kann interessante Charaktere kennenlernen und mit ihnen mitfiebern. Eine allzu spannende Geschichte sollte man aber nicht erwarten und sich von der grundlegenden Thematik der Zeitreise nicht zu viel versprechen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5
Sprecher: 4/5

Gesamt: 

Samstag, 3. Februar 2018

[Rezension] Ready Player One von Ernest Cline

Titel: Ready Player One
Autor: Ernest Cline
Genre: Dystopie, Science-Fiction
Erscheinungsdatum: 27.04.2017
Seiten: 544
Verlag: Fischer TOR
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-596-29659-0
Originalpreis: 9,99€

Kurzbeschreibung: 
Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis. 
Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ... 

Meinung: 
Im April kommt die Verfilmung zum Roman unter der Regie von Steven Spielberg ins Kino. Ich selbst wurde durch einen freundschaftlichen Tipp auf das Buch aufmerksam. Die Thematik ist durchaus spannend. Eine dystopische Vision der Erde wird mit einer komplexen Form von Virtual Reality kombiniert. Um das Ganze aber noch verrückter zu machen, spielen auch unzählige popkulturelle Anspielungen auf die 80er eine übergeordnete Rolle und geben dem Roman einen ganz besonderen Charme.

Zugegeben lädt der Anfang nicht gerade dazu ein, in den Roman eintauchen zu können. Während der Einstieg zwar interessant, aber zäh ist und es furchtbar viele Informationen gibt, die auf einen einprasseln, lohnt sich das weiterlesen aber. Sobald die Handlung in Fahrt kommt, reißt sie auch mit. Es gibt einige geniale Plottwists, die sehr überraschend kommen. Generell kann man sagen, dass Cline hier viele originelle Ideen einfließen lassen hat, die miteinander verwoben ein fulminantes Feuerwerk ergeben. Gerade für Fans der Achtziger – oder jene, die in dem Jahrzehnt aufgewachsen sind – dürfte das Buch eine Art Liebesbrief voll Nostalgie sein. Aber auch wenn man die meisten Anspielungen nicht versteht, kann man das Buch lesen und trotzdem genießen. Die nerdigen Themen sprechen dabei vor allem Videospielfans an und auch einige filmische Referenzen finden sich, während Musik leider etwas in den Hintergrund tritt. Auch weniger versierte Leser, die sich mit den 80ern kaum auskennen dürften, hier aber die ein oder andere Referenz finden, die ihnen doch ein Schmunzeln entlockt. So kommt zum Beispiel auch ein schnieker DeLorean. Sehr schön war vor allem, dass diese ganzen Referenzen eher spielerisch eingebaut werden und dadurch nicht übertrieben wirken. Die Jagd nach dem Easter Egg ist ziemlich spannend beschrieben und hält einige Höhen und Tiefen für den Protagonisten bereit. Dabei wird die Geschichte vor allem realistisch gehalten – soweit man das bei einem derartigen Werk überhaupt sagen kann. Der „Held“ erreicht also nicht alles mühelos und muss auch mal ein paar Fehlschläge einstecken. Das Ende war sehr passend, auch wenn es nach dem Lesen des Romans ein bisschen widersprüchlich wirkt. Dennoch ist die Botschaft dahinter gut und erinnert an verwandte Romane wie „Erebos“ von Ursula Poznanski. Um fair zu bleiben gab es aber auch einen Punkt, der mir nicht so gefallen hat. Dazu gehörte vor allem die Liebesgeschichte des Romans, die zwar logisch und wichtig für die Handlung ist, aber für meinen Geschmack ab und an auch störende Ausmaße annahm und das typische trottelige Bild eines verliebten Jungen gezeichnet hat. Aber dennoch war es eine sehr gut integrierte Liebesgeschichte. Insgesamt ist die Amtosphäre sehr authentisch.

Wade, den wir zunächst nur als Parzival kennenlernen, ist ein recht durchschnittlicher Typ und doch sehr realistisch nachempfunden. Passend dazu, dass er fast die ganze Zeit in der OASIS verbringt, ist er kein blendend schöner Muskelprotz, sondern sogar ein bisschen dicklich. Man kann ihn vielleicht nicht als sympathischsten Protagonisten bezeichnen, aber gleichzeitig ist er auch nicht unsympathisch. Man kann sich gut in ihn einfühlen. Etwas abstrus fand ich, dass Wade – und auch die anderen Charaktere – sich eine schiere Unzahl an Wissen über die Achtziger und Hallidays exzentrische Art merken können, was aber auch wieder zeigt, wie viel Zeit sie eigentlich in der OASIS und mit der Suche nach dem Easter Egg verbringen. Trotz vielmaligem Anschauen könnte ich trotzdem keinen kompletten Film mitsprechen oder ständig beiläufig daraus zitieren. Und damit meine ich keine Zitate, die so eingängig sind, dass sie wirklich leicht zu merken sind a la „Ihr seid der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe.“ – „Aber Ihr habt von mir gehört!“ (Fluch der Karibik). Wenn man diese Tatsache einmal ignoriert, sind die Charaktere aber sehr sympathisch und glaubwürdig ausgearbeitet und Wade wird schnell zu einem literarischen Freund. Wade erzählt aus der Ich-Perspektive, wodurch man natürlich einen noch intensiveren Bezug zu ihm bekommt.

Der Schreibstil Clines ist recht locker und einnehmend. Gleichzeitig gibt es viele markante Beschreibungen, was auch quasi nötig ist, da allein viele Videospiele umfangreich ausgeführt werden und man als Leser ein gutes Bild davon bekommen muss, gerade wenn man sich mit dem entsprechenden Spiel nicht auskennt. Das gelingt Cline aber mühelos. Er erschafft ein großartiges Kopfkino. Gleichzeitig wird man auch – nach der Einstiegsphase – nie vom Text erschlagen und gerade auch die Computerspielatmosphäre wird gut integriert.

Ja, der Roman hat mich tief beeindruckt und begeistert. Hat man erst einmal angefangen zu lesen, will man gar nicht mehr aufhören. Hier trifft einfach alles aufeinander. Eine spannende Geschichte, ein interessanter Weltenbau, ausdifferenzierte Charaktere, ein angenehmer Schreibstil ... – und dann wird das alles auch noch auf eine so raffinierte Art zusammengeführt, dass man sich dem Charme des Romans kaum entziehen kann. Die kleinen Macken werden geradezu überstrahlt von den Stärken der Geschichte.

Fazit: 
Lesen. Nein, ernsthaft. Wer Videospiele oder die Achtziger auch nur ein bisschen mag, popkulturelle Referenzen liebt, sich selbst als Nerd sieht oder auch einfach nur eine spannende und farbig erzählte Geschichte lesen will, ist hier richtig. Also: Ready Reader One!

Inhalt: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Gesamt: